Menstruelle Migräne: Emgality® als neue Therapieoption

Menstruelle Migräne gilt als schwer zu behandeln. 1 Aber warum genau treten Migräneanfälle überhaupt so häufig während der Menstruation auf? Und wie steht es um die prophylaktische Wirksamkeit von Emgality® bei menstrueller Migräne? Mehr dazu hier!

Migräne stellt weltweit eine der Hauptursachen für gesundheitliche Beeinträchtigungen dar, wobei insbesondere Frauen im jungen Erwachsenenalter und im mittleren Alter hiervon betroffen sind.2 Eine im Zeitraum von 1990 bis 2016 durchgeführte, globale Studie zur Migräneprävalenz zeigt, dass die altersstandardisierte Gesamtprävalenz der Migräne bei 14,4 % lag.2 Insgesamt variiert die Prävalenz stark mit dem Alter und dem Geschlecht, wobei während der reproduktiven Jahre zwei bis dreimal mehr Frauen als Männer betroffen sind.3 Menstruelle Migräne ist ein allgemein verwendeter Oberbegriff für alle Arten von Migräne, die im Zusammenhang mit der Menstruation auftreten.

Dabei wird die menstruelle Migräne in zwei Untergruppen eingeteilt:4

  • PMM [„Pure Menstrual Migraine“]: Die Attacke tritt ausschließlich im Zeit Fenster 2 Tage vor bis zu 3 Tage nach dem Einsetzen der Blutung in mindestens 2 von 3 Zyklen auf.

  • MRM [„Menstrually related migraine“]: Die Attacke tritt sowohl im Zeitfenster 2 Tage vor bis 3 Tage nach dem Einsetzen der Blutung in mindestens 2 von 3 Zyklen als auch zu anderen Zeiten innerhalb eines Monats auf. Die Prävalenz von menstrueller Migräne beträgt bei Migränepatientinnen in der Allgemeinbevölkerung etwa 20 – 25 %.3 Im Vergleich zu nicht-menstrueller Migräne ist die menstruelle Migräne in der Regel von höherer Intensität, längerer Dauer und spricht weniger gut auf eine Behandlung an. 1

Die Ursachen für die höhere Prävalenz von Migräne bei Frauen, insbesondere im gebärfähigen Alter, sowie für die Auftrittshäufigkeit einer menstruellen Migräne sind noch nicht vollständig geklärt.5 Die Hypothese des Östrogenentzugs erfährt jedoch die breiteste Akzeptanz. Diese Hypothese besagt, dass das Absinken des Östrogenspiegels nach einer Phase anhaltend hoher Östrogenspiegel Migräne auslösen kann.3

Im Verlauf des Menstruationszyklus nimmt der Östrogenspiegel einmal nach dem Eisprung und einmal vor der Menstruation ab (Lutealphase, Abb. 1). Für letzteres ‒ das prämenstruelle Absinken des Östrogenspiegels ‒ konnte auch ein Zusammenhang mit Migräne nachgewiesen werden. Unklar ist, ob dieser Zusammenhang auf eine längere hohe Östrogenexposition in der Lutealphase, auf das Vorhandensein von Faktoren, die nur in der späten Lutealphase koexistieren (z. B. die Freisetzung von Prostaglandin) oder auf eine Wechselwirkung mit Progesteron zurückzuführen ist.3

Abbildung 1: Prozentsatz der Tage mit berichteten Migräneanfällen und Urinkonzentrationen von Hormonmetaboliten. Modifiziert nach Vetvik et al. 2021.3

Galcanezumab, ein humanisierter monoklonaler Antikörper gegen Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), erwies sich während klinischer Studien als gut verträglich und wirksam bei der prophylaktischen Behandlung von episodischer und chronischer Migräne.6,7,8 Auch bei Migräne, bei der Standardmedikamente unzureichend wirkten, konnte eine signifikante Reduktion der Kopfschmerztage während der Galcanezumab-Prophylaxe im Vergleich zu Placebo beobachtet werden.9 Bezüglich menstrueller Migräne wurde eine Post-hoc-Analyse von zwei doppelblinden, randomisierten Phase-III-Studien (EVOLVE-1 & EVOLVE-2 jeweils von Januar 2016 bis März 2017) bei Patientinnen mit episodischer Migräne durchgeführt, die untersuchte, ob eine Prophylaxe mit Galcanezumab (120 mg/Monat mit einer Loading Dose von 240 mg) bei menstruationsassoziierter Migräne (MRM) die Anzahl der Migränekopfschmerz-Tage reduzieren kann.10 Von den insgesamt 1133 weiblichen Personen mit episodischer Migräne der beiden EVOLVE-Studien, aus denen die Population für die erwähnte Post-hoc-Studie gewonnen wurde, erfüllten 462 Personen die Kriterien einer MRM. Menstruation sowie Kopfschmerzen wurden in einem elektronischen Tagebuch dokumentiert. Primärer Endpunkt war die durchschnittliche Veränderung der monatlichen Kopfschmerztage gegenüber dem Ausgangswert, berechnet als Mittelwert über die Monate 4 bis 6. Zu den sekundären Endpunkten zählten u.a. die Lebensqualität sowie die Veränderung der monatlichen perimenstruellen Migräne-Kopfschmerztage.

Mit folgendem Ergebnis: Galcanezumab reduzierte signifikant die Gesamtzahl der monatlichen Migränekopfschmerztage im Vergleich zu Placebo auch bei Frauen, die die diagnostischen Kriterien einer MRM erfüllten (p < 0,001, Abb. 2).10

Abbildung 2: Mittlere Änderung der monatlichen Migräne-Kopfschmerztagen gegenüber dem Ausgangswert. Modifiziert nach MacGregor et al. 20239.

MRM-Patientinnen, die mit Galcanezumab prophylaktisch behandelt wurden, berichteten auch über eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität im Vergleich zu Placebo-Patientinnen (p < 0,001). Eine signifikante Reduktion der Kopfschmerztage pro Monat wurde auch in der Galcanezumab-Gruppe beobachtet, wenn nur perimenstruelle Migränekopfschmerztage analysiert wurden (p < 0,001, Abbildung 3). Diese waren definiert als Migränekopfschmerztage, die während des perimenstruellen Intervalls auftraten (Tage -2 bis +3 der Menstruation, wobei der erste Tag der Blutung als Tag +1 definiert wurde). Dieses Ergebnis war jedoch weniger robust, welches statistisch durch die Funktion der begrenzten Anzahl von Tagen begründet werden kann, die für die Analyse im perimenstruellen Zeitraum zur Verfügung stehen.

Fazit: Galcanezumab stellt eine effektive präventive Behandlungsoption zur Reduktion der Symptome von einer menstruationsassoziierte Migräne (MRM) sowie zur Verbesserung der Funktionalität und Lebensqualität von Patientinnen mit MRM dar.10

Abbildung 3: Mittlere Änderung der monatlichen perimenstruellen Migräne-Kopfschmerztagen gegenüber dem Ausgangswert. Modifiziert nach MacGregor et al. 2023.10

Quellen

  1. Zhang H et al. Comparative efficacy of different treatments for menstrual migraine: a systematic review and network meta-analysis. J Headache Pain. 2023;24(1):81.
  2. GBD 2016 Headache Collaborators. Global, regional, and national burden of migraine and tension-type headache, 1990-2016: a systemic analysis for the Global Burder of Disease Study 2016. Lancet Neurol. 2018;17:954-976.
  3.  Vetvik GK et al. Menstrual migraine: a distinct disorder needing greater recognition. Lancet Neurol. 2021;20(4):304-315.
  4. Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS) The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition. Cephalalgia. 2018;38(1):1-211.
  5. Raffaelli B et al. Menstrual migraine is caused by estorgen withdrawal: revisiting the evidence. J Headache Pain. 2023;24:131.
DE-EMG-110072 | PP-GZ-DE-2037